14. September 2015  
Berlin  
Gerätturnen

Berliner Andacht für Erika Zuchold

Für die am 22. August 2015 im paraguayischen Ascunción mit 68 Jahren unerwartet und beinahe unbemerkt für die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland und die Freunde der deutschen und internationalen Turnwelt verstorbenen deutschen Weltklasseturnerin Erika ZUCHOLD fanden sich im Berliner Sportmuseum Berlin-Hellersdorf über 40 ehemalige Turnerinnen und Turner, Trainer, Kampfrichter, Sportfunktionäre und Freunde des Sports zu einer eine feierliche Würdigung zusammen. Sie alle waren gekommen um der Doppelweltmeisterin, Gewinnerin mehrer olympischer Silber- und Bronzemedaillen und 14-fachen Deutschen Meisterin der DDR und damit einer der erfolgreichsten deutschen Turnerinnen aller Zeiten, der Leipzigerin Erika Zuchold die Ehre zu erweisen. Erika Zucholds erste Trainerin, die ihr als erster Frau der Welt den Flickflack auf dem Balken lehrte, Dr. Ursula Gundlach unterstrich in ihren Gedenkworten ," ...dass ich es als eine wahre Freude und ein großes Glück empfand, mitzuhelfen, aus einem Leipziger Rohdiamanten eine der hochkarätigsten deutschen Turnerinnen Deutschlands und der Turnwelt zu formen". Erika werde sie nie vergessen und als schöpferisches, aktives, oft rastloses, aber auch Zuwendung bedürftiges Menschenkind in ihrer Erinnerung bewahren.

* Fotos: GYMmedia / Werner Ambrasat

Mit einfühlsamen Worten erinnerte sich Ihre Olympiateam- und Clubkameradin Maritta Bauerschmidt-Grießig vor allem an die kämpferische Seite von Erika, die sich auch in den Wirren der Wendezeit nicht entmutigen ließ und mit außerordentlicher Beobachtungsgabe und geschickter Hand unterschiedliche Strukturen, Bewegungen und Handlungen in Natur und Gesellschaft erforschte und künstlerisch zur Ansicht brachte.
Unvergessen bleibe Erika Zucholds Vielseitigkeit, die sie nicht nur im Kunsturnen sondern auch in ihren Auftritten in Unterhaltungssendungen des Fernsehens nachweisen konnte. Was sie gemeinsam mit ihrer Turnkameradin Erika erleben konnte, werde sie frei nach Dietrich Bonhoeffer "...wie ein kostbares Geschenk..." für immer in sich tragen ...!

Als Gedenkredner (Foto, oben) würdigte Herbert Grießig sowohl die bemerkenswerten Erfolge der Verstorbenen als Turnerin des Sportclubs Leipzig (SCL), der DDR-Nationalmannschaft und nach ihrer sportlichen Laufbahn als bildende und darstellende Künstlerin sowie auch ihre kaum vergleichbare Persönlichkeit, in der sich Wille, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Nachdenklichkeit, Kreativität und Dynamik zu einer einmaligen Symbiose vereinigt hatten. Er verwies darauf, dass es Erika Zuchold gelang - geformt und entwickelt besondersauch von ihrem langjährigen Trainer Helmut Gerschau - sowohl die Leipziger Turnschule als auch die Leipziger Kunstschule auf einem bemerkenswert hohen Niveau zu repräsentieren.  (► Trauerrede im Wortlaut)

Während der Gedenkfeier erinnerten Videos - u. a. ein in den USA, 2005 von TV-Turnkommentator, Olympiasieger und Ex-Weltmeister Bart Conner anlässlich ihrer Aufnahme in die "International Gymnastics Hall of Fame" produziertes Video - an die großen Erfolge des einstigen Weltstars: von der Schwebebalkenkür zur WM 1970 in Ljubliana  bis zu ihren grandiosen olympischen Momenten zwischen Mexiko-City und München 1972:


Die Anwesenden waren sich einig, dass mit Erika Zuchold eine der vielseitigsten und elegantesten deutschen Turnerinnen aller Zeiten uns viel zu früh verlassen hat. Die Erinnerungen an sie als einer erfolgreichen, liebenswerten, bescheidenen und bodenständigen Sportlerin werden nicht verblassen, werden doch ihr Name und ihr Vermächtnis in der Turn- Talentschule des Deutschen Turner-Bundes in Leipzig und in der Internationalen Hall of Fame in Oklahoma-City bewahrt bleiben.
(C) gymmedia / Herbert Grießig