19. August 2012  
Jahnstadt Freyburg  
Gerätturnen

90. JAHN-TURNFEST 2012: Die Alten, die Jungen und die Ehemaligen - alle sind bei Jahn !

Nur eine Woche nach Olympia: ... was war das wieder für ein Fest der Sportart Gerätturnen in Freyburg an der Unstrut!!
Die Stadt des Turnvaters Jahn beherbergte über 1.100, vorwiegend aktive Vertreter der ältesten olympischen Disziplin, die sich mit Vehemenz und erstaunlicher Vitalität dem drohenden Rückgang der wirklich noch Turnenden im Lande entgegenstemmen.
Und tatsächlich: Immer mehr Olympiasieger, Welt-, Europa- und Deutsche Meister aus fünf Jahrzehnten nutzen zunehmend diesen weltweit einzigartigen Gerätturnwettkampf aller Altersklassen - von 14 - 90 (!) Jahren - und kehren zurück in den Schoß  d e r  Turnfamilie, die sie einst einmal in Richtung Spitzensport entwickelt und entsandt hat.

<< Deutschlands ältester Turn-Olympiasieger Klaus Köste (Leipzig), der Welt älteste Turn-Wettkämpferin Johanna Quaas (Halle)  und der Mann mit sage und schreibe 600 (!) Wettkämpfen, Siegfrid Bauer (Markkleeberg) ...

TURNPLATZ NATUR
Fotos: (C) GYMmedia / R. Nugel / S. Branser / Gerhard Quaas

... wieder im Trend:
Turnen im Freien nach Jahn!

Krawalle, Ausschreitung ....? Fehlanzeige!
Von einigen zwischenzeitlichen Erscheinungen vorwiegend "fremder Elemente" letzter, vergangener Jahre abgesehen: Wieder war der Turnerball im Lichthof der Sektkellerei einer der stimmungsvollen Höhepunkte eines sehr  friedferigen aberum so feierfreudigen deutschen Turnervolkes, um das es so manch' andere Sportverbände beneiden sollten!

Einer der Höhepunkte war am Samstag dann wieder die Wettkampfeinheit der Seniorinnen und Seniorenklassen.
Ältester Teilnehmer mit fast 89 Jahren war Ottmar Thier vom TuS 1919 Medebach.

Johanna - die Einmalige ...!
Bei den Frauen begeisterte die seit Frühjahr durch die Medien weltweit bekannt gemachte Johanna Quaas, die mit 86 Jahren erstaunliche Schwierigkeiten mit einer noch erstaunlicheren Leichtigkeit vollführt, die so manche Schülerin oder Abiturientin mehr als erblassen lassen sollte ...!
* GYM-Tube-Video --:

 

Schulterstand, Taucherrolle, Stützwaage und Fechterflanke am Barren oder
Hüftaufschwung, Umschwung, Mühlumschwung, Unterschwung am Tiefreck oder
gar Handstand zum Abrollen auf der Schwebebank - dies dürfte ihr wohl weltweit keine andere Seniorin so leicht nachmachen.
* GYM-Tube-Video --:

"Freyburg - das ist seit Jahren der Hauptwettkampf und emotional der wichtigste Wettkampf für mich! Und es ist nicht nur der Sport, den ich betreibe, sondern das gesamte Umfeld, die vielen Freunde und das gesamte Lebensgefühl, das durch das Aktivbleiben so mit sich bringt",
fasst sie begeistert ihre mitreißende Motivation zusammen.
Und tatsächlich hat sich bisher weltweit noch kein gleichaltiges weibliches Wesen gefunden, das mit ihr konkurrieren könnte.
" ... und dabei würde ich gern an Senioren-Welt- oder Europameisterschaften teilnehmen!"
Leider gibt es die momentan noch nicht.
Warum kommen nicht einfach mehr dieser fitten Turn-Seniorinnen und Senioren nach Freyburg ...?

Auch mit ihrer aktuellen Bodenübung liefert diese außergewönlich agile Hallenserin ein Beispiel nahezu verblüffender Koordinationsfähigkeit, Athletik und weiblicher Eleganz, die dazu auffordern, sich neue Gedanken über Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit zu machen:
* GYM-TUBE-Video -- :

(C) gymmedia

Johanna (86), Siegfried (74), zusammen knackige 160 Lenze alt!

Olympiasieger Klaus Köste, der 'Held von Mexiko Willi Jaschek, der Leverkusener Ex-Reck-Vizeweltmeister Wolfgang Thüne und Ex-Vize-Europameister Hubert Brylok - bei 'Jahn' vereint ...!

... der in seiner Mit-Fünfziger Altersklasse hier gewann oder man kommt einfach nur zu "Shake-hands" oder den innigen "Lange-nicht-gesehen-Umarmungen". 
Und so mancher lässt sich sogar wieder infizieren unter dem Motto: "... Mensch, das hätte ich doch auch noch drauf".

Da sah man nicht nur einen Klaus Köste in Aktion (Foto, li.) sondern
auch aus den 50'er Jahren Turnerinnen der ersten Stunde wieder, wie Ingrid Großmann-Piepenburg, die in ersten Länderkampfriegen der DDR stand, oder Barbara Stolze-Dix und Christel Wunder-Felgner aus der 1964'er Tokioter Olympiariege - übrigens einst Schützlinge der damaligen halleschen Trainerin Johanna Quaas.

Wiedersehen nach langer Zeit: Aus der 1964'er Olympiariege
Christel Wunder-Felgner (li.) und Ex-Balken-Weltmeisterin Erika Zuchold mit ihrem Gatten und ehemaligen Bahnradsportler Dieter

Bei den Männer vertrat der Held von Mexiko, Willi Jaschek (TSV Heusenstamm) die alten Bundesländer, für deren Olympiateam er 1968 trotz Risses der Achillesehne am Boden weiter alle Geräte durchzog, um der Mannschaft den 8. Platz abzusichern. Aus Leverkusen reiste der Reck-Vize-Weltmeister von 1974, Wolfgang Thüne an. Der 10-fache Deutsche Turnmeister - u. a. 3x Mehrkampfmeister in der damals geteilten deutschen Welt - hatte danach die DDR verlassen und seine Herkunft aber eigentlich nie so richtig vergessen können.
Wer erinnert sich nicht an die damals einzigen in der Weltklasse turnenden Zwillinge, Michael und Jürgen "Keule" Nikolay? Der eine wurde Pauschenpferd-Weltmeister 1981 in Moskau (Foto, rechts). Der andere brillierte u. a. als Deutscher Reckchampion. Auch wenn beide gehörigen Abstand zu ihrer einstigen sportlichen Hauptbeschäftigung genommen haben: Ihre Freyburg-Anwesenheit sagt aber:

Trainer Reiner Nugel und sein Leipziger Schützling Damaravy Westphal, Gewinner des Deutschland-Cups 2012